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Artikel 24 – Flüchtlinge–Vertriebene–Migranten – wer ist wer?

Herzlich willkommen! Wir freuen uns sehr, dass Sie da sind!

 

Vorwort

 

Dies ist der erste Sonderartikel von Future Aid.

 

Was sind Sonderartikel?

 

Future Aid Artikel werden in einer bewussten Reihen­folge geschrieben, um die wichtigsten Themen unserer Zeit zu behandeln. Die Hauptartikel vermitteln Wissen wollen aber bewusst auch Botschaften vermitteln und Meinung bilden. Das heißt, es werden Bewertungen vorgenommen „gut oder schlecht“. Im Gegensatz dazu vermitteln Sonderartikel nur Wissen und keine Bewertungen. Dieses Wissen ist aber hilfreich oder notwendig um Hauptartikel zu verstehen.

 

Einleitung

 

Seit der großen Flüchtlingswelle 2015 dominiert das Thema Flüchtlinge und Migranten die öffentliche Dis­kussion in vielen europäischen Staaten. Manchmal hat man den Eindruck, als ob es kaum noch andere The­men gibt, die wichtig sind. Die Diskussion wird oft sehr emotional geführt und das Thema entscheidet in die­sen Jahren über den Ausgang von Wahlen in vielen europäischen Ländern. Wenn man mit Menschen über dieses Thema spricht, merkt man sehr schnell, dass die Begriffe häufig unterschiedlich verwendet werden und für viele Menschen sind Flüchtlinge, Vertriebene und Migranten oft ein und dasselbe. Für eine sachliche und vernünftige Diskussion über dieses Thema ist das nicht hilfreich.

 

Wie wir in Artikel 23 - Die Wähler populistischer Par­teien und die Nichtwähler - Wer sie sind und wie sie denken - gezeigt haben, ist die Angst vor zu vielen Aus­ländern, Fremden, Flüchtlingen etc. auch ein wesentli­ches Wahlmotiv für die Wähler populistischer Parteien, weil sie fürchten, noch mehr zu Verlierern zu werden als sie es ohnehin schon geworden sind.

 

Dass viele Menschen nicht richtig zwischen Flüchtlin­gen, Vertriebenen und Migranten unterscheiden kön­nen, ist nicht ihre Schuld. Es ist auch uns von Future Aid nicht gelungen eine klar verständliche Erklärung zu finden wer wer ist. Die Medien, die uns das eigentlich erklären sollten, erfüllen diese Aufgabe nicht oder nur unzureichend.

 

In Future Aid werden wir uns in Zukunft immer wieder mit den Menschengruppen Flüchtlinge-Vertriebene-Migranten beschäftigen. Daher erscheint es uns sehr hilfreich zumindest einmal diese Begriffe verständlich zu erklären und die Unterschiede und Überschneidun­gen zwischen den Gruppen zu beschreiben[1]. Wir entwi­ckeln das vollständige Bild anhand einer sich erweiternden Grafik.

 

Flüchtlinge

 

Die erste und bekannteste Gruppe sind die eigentli­chen Flüchtlinge nach der Genfer-Flüchtlingskonven­tion[2]. Die internationale Organisation, die sich für Flücht­linge einsetzt, ist die UN-Flüchtlingsagentur UNHCR[3].

 

Um als Flüchtling anerkannt zu werden, müssen fol­gende Bedingungen erfüllt sein[4]:

  • Die Person muss sich außerhalb des Landes befinden, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt oder in dem sie ihren ständigen Wohnsitz hat.
  • Die Person muss wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung haben.
  • Die Person muss den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen können oder wegen dieser Furcht vor Verfolgung nicht dorthin zurück­kehren können.

 

Drei große Missverständnisse gibt es häufig im Zusammenhang mit Flüchtlingen:

  • Viele glauben, dass jemand der aus einem Land flüchtet, in dem es Krieg oder Bürgerkrieg gibt, automatisch als Flüchtling anerkannt wird. Dies stimmt aber nicht. Krieg ist kein ausreichender Grund. Die Person muss glaubhaft machen, dass Sie verfolgt wird. Man nimmt an, dass es auch in einem Land in dem Krieg herrscht „sichere“ Regio­nen gibt.[5]
  • Als Flüchtling gilt nur, wer in einen anderen Staat flüchtet. Alle Verfolgten innerhalb eines Landes – sogenannte Binnenflüchtlinge - gelten nicht als anerkannte Flüchtlinge.[6]
  • Für unser Thema bei Future Aid – den Klimawan­del – ist wichtig zu wissen, dass Hunger und der Wegfall der Lebensgrundlagen nach Naturkata­strophen keine anerkannten Fluchtgründe sind und daher kein Anrecht auf Asyl besteht.[7]

 

Ende 2016 gab es weltweit ca. 22,5 Mio. Flüchtlinge nach UNHCR-Definition.[8]

Grafik 24.1 - Flüchtlinge

Vertriebene

 

Vertriebene sind die weitaus größere Gruppe als die „echten“ Flüchtlinge. Die Unterschiede und Gemein­samkeiten wollen wir anhand folgender Grafik erläu­tern:

Grafik 24.2 - Vertriebene

Die große Gemeinsamkeit besteht darin, dass sowohl Flüchtlinge als auch Vertriebene ihre Heimat nicht freiwillig verlassen haben, sondern dazu gezwungen wurden. Der Zwang kann drei Ursachen haben, wobei die Grenzen oft fließend sind:

  • Gewalt und Verfolgung durch Menschen
  • Wegfall der Lebensgrundlagen durch soziale oder wirtschaftliche Entwicklungen
  • Wegfall der Lebensgrundlagen durch Naturkatastro­phen

Alle die innerhalb des Heimatstaates flüchten wer­den als Binnenvertriebene bezeichnet.

 

„Binnenvertriebene sind Personen oder Personen­gruppen, die gezwungen wurden zu fliehen oder gezwungen wurden ihre Häuser oder ihren gewöhnli­chen Aufenthaltsort zu verlassen. Dies geschieht ins­besondere als Folge von oder um Folgendes zu ver­meiden:

  • bewaffnete Konflikte
  • generelle Gewalt
  • Verletzung von Menschenrechten
  • Naturkatastrophen
  • von Menschen verursachte Katastrophen

Diese Menschen haben bei ihrer Flucht keine Staats­grenze überschritten“.[9]

 

Nachdem Zwang das Gemein­same mit Flüchtlingen ist, ist die Flucht im eigenen Staat das Trennende. Während für Flücht­linge nur Verfolgung als aner­kannter Fluchtgrund gilt, gelten für Vertriebene wesentliche mehr Fluchtgründe.

 

Das Internal Displacement Monitoring Center (IDMC) ist die internationale Organisation die die Entwicklung der Binnen­flüchtlinge weltweit beobachtet.[10] Das IDMC beschäftigt sich somit um die Felder 3 und 4 in obiger Grafik.

 

So wie es die Genfer Flüchtlings­konvention gibt, gibt es für Bin­nenvertriebene Leitlinien der UN aus dem Jahr 2001 – sie sind nur kein Vertrag, sondern nur Emp­fehlungen.[11]

 

Die besonders kritische Gruppe der Vertriebenen sind jene im Feld 2 der obigen Grafik. Es sind einer­seits Vertriebene, weil sie gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen,

  • aber wenn sie nicht verfolgt werden, werden sie nicht als Flüchtlinge akzeptiert
  • und weil sie eine Staatengrenze überschritten haben, sind sie keine Binnenvertriebenen.

Sie werden nicht einmal gezählt, keine UN-Organisation kümmert sich um sie und sie können von Staaten wie „freiwillige“ Migranten behandelt werden.[12]

 

Sehen wir uns die aktuellen Zahlen an:

Feld 3:

  • Ende 2016 gab es weltweit 40,3 Mio. Vertriebene aufgrund von Gewalt.
  • Von den 40,3 Mio. sind 2016 6,9 Mio. neu dazugekommen und 33,4 Mio. Vertriebene stammen aus den Vorjahren.[13]
  • Die Zahl der Binnenvertriebenen aufgrund von Gewalt ist fast doppelt so hoch wie die Zahl der „echten“ Flüchtlinge.

Feld 4:

  • Seit 2004 beobachtet das IMDC auch wie viele Menschen wegen Naturkatastrophen fliehen müssen und aufgrund welcher Art von Katastrophen.
  • 2016 wurden durch Naturkatastrophen 24,2 Mio. Menschen innerhalb ihres Staates vertrieben.
  • Geophysikalische Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche sind „nur“ für 0,7 Mio. Vertriebene verantwortlich. Naturkata­strophen die mit dem Klimawandel zusammenhän­gen (Stürme, Überflutungen, etc. - siehe den Future Aid Artikel 25) waren für 23,5 Mio. Binnen­flüchtlinge verantwortlich.
  • Die Zahl der Binnenflüchtlinge aufgrund von klima­wandelbeeinflussten Naturkatastrophen übersteigt mit 23,5 Mio. die Zahl der „echten“ Flüchtlinge in 2016 mit  22,5 Mio. wie schon in vielen Jahren davor.

 

Auswanderer und Rückkehrer:

Bei allen 3 Gruppen – Flüchtlingen, Vertriebenen und Migranten – können wir unterscheiden in Befristete und Dauerhafte. Die Dauerhaften verlassen ihre Hei­mat für immer und werden als Auswanderer bezeich­net. Die Befristeten kehren nach unterschiedlich langer Zeit (einige Monate bis mehrere Jahre) wieder in ihre Heimat zurück.

 

Migranten

 

Die dritte Gruppe sind die Migranten.

Grafik 24.3 - Migranten

Der große Unterschied zu den Flüchtlingen und Ver­triebenen besteht darin, dass die Migranten ihre Hei­mat mehr oder weniger freiwillig verlassen um ihre Lebensgrundlage zu verbessern. Wie schon oben erwähnt ist es natürlich sehr schwierig zu unterschei­den ab wann man migriert um zu überleben oder um besser zu leben.

 

Die „echten“ Migranten verlassen ihren Staat zeitweilig oder dauerhaft (Feld 5). Die mit Anstand größte Zahl sind aber die Menschen, die innerhalb ihres Staates an einen anderen Wohnort ziehen (Feld 6). Dazu gehören auch Menschen, die z.B. von Wien in die Steiermark übersiedeln.

 

Die International Organization for Migration (IOM)[14] ist als UN Migrationsagentur die international Organi­sation die sich mit Migration beschäftigt und die Ent­wicklungen beobachtet.

  • Die Zahl der „echten“[15] Migranten betrug im Jahr 2016 ca. 244 Mio. Menschen.[16]
  • Die Zahl der Migranten ist von ca. 84 Mio. in 1970 auf ca. 244 Mio. in 2015 gestiegen und hat sich somit verdreifacht. Selbst wenn man berücksichtigt, dass in dieser Zeit auch die Weltbevölkerung deut­lich gewachsen ist, so ist der Anstieg des Anteils der Migranten von 2,3% der Weltbevölkerung in 1970 auf 3,3% in 2015 noch immer beachtlich – eine Steigerung um ca. die Hälfte.[17]
  • Die Zahl der Binnenmigranten ist weitaus höher und beträgt ca. 740 Mio. Menschen.

Analyse der „Fremden“ in der Welt

 

Das Thema Ausländer dominiert die politische Diskus­sion der letzten Jahre und ist inzwischen für den Aus­gang vieler europäischer Parlamentswahlen entschei­dend geworden. Wir wissen aus Artikel 23, dass nahezu die Hälfte (47%) der europäischen Bevölke­rung der Ansicht ist, dass es in ihrem Land zu viele Ausländer gibt. Das Thema Ausländer kann und soll daher nicht ignoriert werden – egal wie man persönlich dazu steht. Was aber absolut notwendig erscheint, ist ein Blick auf die Realitäten um die Diskussion von der emotionalen Ebene auf die sachliche Ebene zu lenken. Future Aid analysiert daher hier die „Fremden in der Welt“. Wir werden in späteren Artikeln auf diese Ergebnisse zurückgreifen.

 

Warum bezeichnen wir das Thema als „Fremde in der Welt“?

 

  • Der einzelne Bürger kann im Alltag nicht unter­scheiden ob es sich bei den Menschen die ihm fremd vorkommen um Flüchtlinge, Vertriebene oder freiwillige Migranten handelt.
  • Er kann nicht unterscheiden ob es sich um schutz­bedürftige Menschen handelt die vor Verfolgung geflohen sind oder um Menschen die „nur“ ihr Leben verbessern wollen.
  • Das einzige was er bei Begegnungen erkennen kann ist die Sprache und das Aussehen. Daraus schließt er dass es ein „Fremder“ sein muss.
  • Ausländer werden aber nicht nur abgelehnt wenn sie „fremdländisch“ wirken sondern häufig auch wenn sie aus dem eigenen Kulturkreis kommen aber Arbeitsplätze „bedrohen“ (z.B. Zuwanderer aus osteuropäischen Ländern) oder unseren Kin­dern „Studienplätze wegnehmen“.
  • Daher verwenden wir für die folgende Analyse nicht nur Zahlen über die „echten“ Flüchtlinge, sondern auch die Zahlen über die „Fremden“. Das sind jene Menschen aus den Feldern 1 und 5 in obiger Grafik, die aus dem Ausland in ein anderes Land gegangen sind – ohne Rücksicht auf den Grund, warum sie in ein anderes Land gegangen sind.
  • Wir verwenden die neuesten Zahlen der UN für 2017.[18]
  • Wenn in den Medien über Ausländer diskutiert wird stehen heute die Flüchtlinge (z.B. aus Syrien, Afganistan, Tschetschenien) und Migranten (z.B. aus Polen, afrikanischen Ländern) im Mittelpunkt. Berichtet wird typischerweise über die Zahl an Ausländern die im letzten Jahr nach Österreich gekommen sind.

Diese Sicht halten wir für unzureichend!

 

Begründung:

  • Die absoluten Zahlen sagen wenig aus, wenn man sie nicht ins Verhältnis zur Gesamtbevölke­rung stellt. 1 Mio. Ausländer in einem Land mit z.B. 8 Mio. Einwohnern ist etwas ganz anderes als in einem Land mit z.B. 80 Mio. Einwohnern. Werte in Prozent der Gesamtbevölkerung sind häufig aussagekräftiger.
  • Es reicht nicht zu betrachten, wie viele im letzten Jahr gekommen sind, sondern wie viele es im Laufe der Jahre insgesamt geworden sind. Aus­länder werden typischerweise etliche Jahre als Ausländer wahrgenommen, bis sie eingebürgert werden oder sich integriert haben.
  • Häufig wird übersehen, dass es nicht nur Einwande­rung, sondern auch Auswanderung gibt. Future Aid hat auch das analysiert und die Nettomigration für jedes Land berechnet – die Dif­ferenz aus Einwanderung und Auswanderung. Dies kann die Augen öffnen, dass nicht nur „andere uns die Studienplätze wegnehmen“, sondern auch „wir den anderen die Studienplätze wegnehmen“.
  • Future Aid kann und will in diesem Artikel nicht bewerten, wie viele Fremde der einheimischen Bevölkerung „zumutbar“ sind, aber an einigen aus­gewählten Beispielen wollen wir doch bemerkens­werte Tatsachen präsentieren.
  • Future Aid stellt Ihnen auf der Future Aid Website die Tabelle aus der alle Zahlen für diesen Teil stammen für eigene Analysen zur Verfügung!

Die Fakten über die „Fremden“

 

Obwohl Prozentzahlen meistens aussagekräftiger sind, fangen wir trotzdem auch mit absoluten Zahlen an, um ein Gefühl für die Dimensionen zu erhalten.

Grafik 24.4 - Ausländer absolut und in % der Gesamtbevölkerung
  • 2017 lebten ca. 258 Mio. Menschen außerhalb ihres Heimatlandes. Das sind ca. 3,4% der Weltbe­völkerung oder jeder 29ste Mensch.
  • In asiatischen und europäischen Ländern gab es mit 79,6 Mio. bzw. 77,9 Mio. in etwa gleich viele Ausländer. Da Asien aber ungleich mehr Einwoh­ner hat als Europa, war in jedem asiatischen Land nur jeder 50ste (2%) Einwohner ein Ausländer in Europa aber jeder 10te (11%).
  • Den höchsten Ausländeranteil haben Ozeanien (Australien, etc.) wo nahezu jeder 5te (21%) Ein­wohner ein Ausländer ist und Nordamerika wo jeder 6te (16%) Einwohner ein Ausländer ist.
  • In Afrika und Südamerika ist nur jeder 50te Einwohner ein Ausländer.
Grafik 24.5 - Länder mit den meisten Ausländern

Wenn wir die Länder betrachten in denen es die meisten Ausländer gibt, so fällt Folgendes auf:

  • Es gibt die typischen Einwanderungsländer wie die USA, Kanada und Australien.
  • Überraschend ist, dass zwei arabische Staaten unter den TOP 11 sind. Dies ist einerseits auf die Fluchtbewegungen im arabischen Raum zurück­zuführen und andererseits auf den hohen Anteil an Arbeitsmigranten.
  • Überraschend ist weiters, dass keine asiatischen und afrikanischen Länder unter den TOP 11 zu fin­den sind.
  • Unter den TOP 11 der Welt sind bereits 5 westeuro­päische Staaten. Darunter Staaten, die in früheren Jahrzehnten als typische Auswande­rungsländer gegolten haben wie Spanien und Ita­lien.
  • In den reicheren Einwanderungsländern liegt der Ausländeranteil durchwegs zwischen 10 und 30% der Gesamtbevölkerung.
  • Bei den europäischen Ländern mit hohem Auslän­deranteil könnte man nun vermuten, dass der hohe Ausländeranteil durch die Flüchtlingswelle 2015 verursacht wurde. Die Realität zeigt ein ganz ande­res Bild:
  • Von den 12,2 Mio. Ausländern in Deutschland kommen:​
    • 1.937.000 aus Polen, 1.662.000 aus der Türkei, 1.084.000 aus Russland, 1.020.000 aus Kasachstan, 592.000 aus Rumänien, 545.000 aus Tschechien, 416.000 aus Italien
  • Von den 8,8 Mio. Ausländern in Großbritannien kommen:​
    • 874.000 aus Polen, 837.000 aus Indien, 529.000 aus Pakistan, 402.000 aus Irland, 301.000 aus Deutschland
  • Von den 7,9 Mio. Ausländern in Frankreich kommen:​
    • 1.452.000 aus Algerien, 941.000 aus Marokko, 724.000 aus Portugal, 395.000 aus Tunesien, 373.000 aus Italien, 309.000 aus Spanien, 302.000 aus der Türkei
  • Von den 5,9 Mio. Ausländern in Spanien kommen:​
    • 707.000 aus Marokko, 652.000 aus Rumänien, 420.000 aus Ecuador, 351.000 aus Kolumbien, 309.000 aus Großbritannien, 206.000 aus Frankreich, 203.000 aus Deutschland
  • Von den 5,9 Mio. Ausländern in Italien kommen:​
    • 1.040.000 aus Rumänien, 455.000 aus Albanien, 433.000 aus Marokko, 236.000 aus der Ukraine, 224.000 aus Deutschland, 204.000 aus China, 202.000 aus der Schweiz

Was können wir erkennen:

  • Ehemalige Kolonialmächte haben naturgemäß viele Ausländer aus den ehemaligen Kolonien (Großbritannien, Frankreich, Spanien).
  • Die Fluchtländer, die derzeit die Berichterstattung in den Medien dominieren, findet man nicht in der Liste (Syrien, Irak, Afghanistan, schwarzafrikanische Staaten, Tschetschenien).
  • Wenn viele europäische Bürger den Eindruck haben, es gibt zu viele Ausländer in ihrem Land, dann kann man das nicht den „echten“ Flüchtlingen anlasten. Wenn es zu viele Ausländer gibt, dann ist das ein Problem, dass die Staaten bzw. die EU selbst verschuldet haben, weil sie Migration nicht oder unzureichend geregelt haben.
  • Die Zahlen sagen natürlich nichts darüber aus, ob alle Ausländer als gleich problematisch empfunden werden (IS-Heimkehrer, Menschen aus islami­schen Staaten) und gleich leicht integriert werden können

Wir wechseln die Sichtweise und sehen uns an welche Länder die meisten Auswanderer haben.

Grafik 24.6 - Länder mit den meisten Auswanderern

Es fällt Folgendes auf:

  • Es ist nicht überraschend, dass in dieser Liste einige der bevölkerungsreichsten Länder sind (China, Indien).
  • In dieser Liste finden wir Länder aus denen viele Menschen wegen Krieg oder Gewalt (Syrien, Pakistan, Ukraine, Afghanistan) oder Armut (Mexiko, Bangladesch, Philippinen) auswandern.
  • Es ist aber überraschend, dass sich auch zwei Länder der EU darunter befinden – 7% der Briten und 12% der Polen leben im Ausland.

 

In den bisherigen Analysen standen absolute Zahlen im Vordergrund – Länder mit einer eher kleinen Bevöl­kerung hatten keine Chance in die beiden letzten Gra­fiken zu kommen. Wie wir einleitend geschrieben haben, erkennt man Probleme besser mit Prozent­zahlen.

 

Einige Ergebnisse sehen wir uns jetzt an[19]:

 

Länder mit hohem Ausländeranteil

 

Ein hoher Ausländeranteil ist kein grundsätzliches Problem, wenn die Bevölkerung dies gewohnt ist und damit zurechtkommt.

 

Staat

Ausländeranteil

 

in %

United Arab Emirates

88

Singapore

46

Hong Kong (China)

39

Saudi Arabia

37

Jordan

33

Lebanon

32

Switzerland

30

Australia

29

Israel

24

Canada

21

Kazakhstan

20

Austria

19

Sweden

18

United States of America

15

Norway

15

Germany

15

United Kingdom

13

Spain

13

Libya

12

France

12

Netherlands

12

Denmark

11

Belarus

11

Ukraine

11

Belgium

11

Greece

11

Italy

10

  • Die drei erstgereihten Länder sind Ausnahmen, weil sie praktisch Stadtstaaten sind und daher fast zwangsläufig viele Ausländer haben.
  • Es gibt etliche arabische Staaten, die durch die Kriege und Gewalt viele Flüchtlinge beherbergen (Saudi Arabien, Jordanien, Libanon, Lybien).
  • Es gibt klassische Einwanderungsländer (USA, Israel, Australien, Kanada).
  • Einige Staaten haben viele Ausländer durch die Migrationsbewegungen in der ehemaligen UdSSR (Ukraine, Weißrussland, Kasachstan).
  • Aber die Hälfte der Staaten (13 von 27) mit dem höchsten Ausländeranteil sind westeuropäische Staaten. Und wie wir oben gesehen haben, ist die­ser hohe Ausländeranteil nicht primär auf Flücht­linge zurückzuführen, sondern auf Wanderungs­bewegungen innerhalb Europas und auf ehemalige Kolonien.
  • Hätten Sie gewusst, dass Österreich einen höhe­ren Ausländeranteil hat als die USA und einen fast so hohen wie Kanada?

 

Länder mit hoher negativer Nettomigration

 

Was ist negative Nettomigration? Wir haben gesehen, dass viele Staaten hohe Einwanderung und hohe Auswanderung haben (z.B. Großbritannien). Dann bleibt die Bevölkerungszahl annähernd stabil. Die Nettomigration ergibt sich, wenn wir von den Einwan­derern die Auswanderer abziehen. Es gibt aber auch Länder, die nur eine hohe Auswanderung haben aber nahezu keine Einwanderung. Dann ist die Nettomigra­tion hoch negativ. Ein Beispiel: 100.000 sind einge­wandert aber 2.000.000 sind ausgewandert. Dann beträgt die Nettomigration -1.900.000 Menschen. Län­der mit hoher Nettomigration sind überspitzt formuliert:

  • Länder, die jeder verlassen will, in die aber keiner einwandern will.
  • Länder, die „ausbluten“ in dem sie einen großen Teil der Bevölkerung verlieren.
  • Häufig wandern die Jungen/Reichen aus und die Alten/Armen bleiben zurück – mit allen Folgen für das Sozialsystem.
  • Diese Länder belasten andere Länder stark, weil die Ausgewanderten in anderen Staaten aufge­nommen werden müssen, ohne dass durch Ein­wanderer ein Ausgleich geschaffen würde.

Staat

Nettomigration

 

in %

Syrian Arab Republic

-32

El Salvador

-24

Lao People's Democratic Republic

-18

Romania

-16

Bulgaria

-16

Cuba

-13

Portugal

-13

Afghanistan

-13

Somalia

-13

Eritrea

-12

Haiti

-11

Poland

-11

Paraguay

-10

 

Auch hier lassen sich klare Muster erkennen:

  • Wir finden viele Staaten, in denen es Kriege, Bürger­kriege oder Gewalt gibt (Syrien, Afghanis­tan, Süd Sudan, etc.).
  • Wir finden viele mittel- und südamerikanische Staa­ten, in denen Gewalt und Armut die Menschen vertreiben (El Salvador, Nicaragua, Mexiko, Kolumbien, etc.).
  • Wir finden Staaten in denen Klimakatastrophen, wie Hurrikans (Haiti, Dominikanische Republik, etc.), Hitze (viel afrikanische Staaten) oder Über­flutungen (viele südasiatische Staaten) die Men­schen vertreiben.
  • Wir finden interessanterweise aber auch 4 EU-Staaten in dieser Liste (Rumänien, Bulgarien und Portugal, weil die wirtschaftliche Lage schlecht ist, Polen mit einem hohen Anteil an Arbeitsmigran­ten).
  • Die Weigerung Polens Flüchtlinge aufzunehmen ist umso problematischer als Polen mit 11% oder ca. 4 Mio. Menschen eine sehr hohe Nettomigration hat. Mit ihren Arbeitsmigranten belasten sie andere EU-Länder stark, ohne selbst einen Beitrag zu leisten.
  • Die Staaten mit hoher negativer Nettomigration zeigen Situationen, die für Menschen beson­ders unerträglich sind. Diese Staaten und ihre Probleme sollten unsere besondere Aufmerk­samkeit finden!

 

Fremde in Österreich

 

Zum Schluss dieses Artikels geben wir Ihnen noch Informationen zu Fremden in Österreich:

 

Einwohner:           8.735.453             100%

Ausländer:            1.660.283               19%

Auswanderer:          586.161                 6,7%

Nettomigration:     1.074.122               12,3%

 

Wichtigste Herkunftsländer:

Deutschland                       246.000

Serbien                               215.000

Türkei                                 204.000

Bosnien-Herzegowina        171.000

Rumänien                             77.000

Polen                                    73.000

Tschechien                           61.000

Ungarn                                 49.000

Kroatien                                44.000

 

Wichtigste Auswanderungsländer:

Deutschland                        258.000

Schweiz                                68.000

Australien                             21.000

Kanada                                 20.000

Großbritannien                     18.000

Türkei                                    17.000

Italien                                    17.000

 

Schlusswort

 

Wir hoffen, mit diesem ersten Sonderartikel unser Ziel erreicht zu haben:

  • Sie kennen die Unterschiede zwischen Flüchtlin­gen-Vertriebenen-Migranten
  • Sie haben eine Vorstellung von den Größenord-nun­gen dieser Menschengruppen
  • Sie kennen die Dimension von Migranten, die im Ausland leben und wissen, welche Länder einen besonders hohen Ausländeranteil haben.
  • Sie wissen, welche Arten von Ländern in hohem Maße verlassen werden.
  • Sie wissen, dass absolute Zahlen - ohne sie ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung zu setzen - oft falsche Eindrücke vermitteln.

 

Das Wichtigste, das wir mit diesem Artikel errei­chen wollen ist, dass Sie die emotional geführte Ausländerdiskussion mit Wissen verfolgen können und damit Sie sich eine fundierte eigene Meinung bilden können!

 

Bleiben Sie dran – hören Sie nicht auf zu lesen!

 

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Weiter mit Artikel 25

[1] Da wir nichts Vergleichbares gefunden haben, glauben wir, dass die Erläuterungen und die Darstellung hier bei Future Aid einzigartig sind!

[2] Wenn sie die Genfer Flüchtlingskonvention im deutschen Original lesen wollen, können sie dies hier: Genfer Flüchtlings­konvention.

[3] UNHCR bedeutet “United Nations High Commissioner for Refugees”. Die Flüchtlingsagentur der UN wurde 1950 gegründet. Die Website finden Sie hier: UNHCR

[4] Die Definition finden Sie z.B. auf der Website der UNHCR Österreich: Definition Flüchtlinge

[5] Das bedeutet konkret, dass jemand der z.B. aus Afganistan, dem Irak oder Syrien flieht, nicht automatisch ein anerkannter Flüchtling ist. Ein syrischer Flüchtling muss z.B. glaubhaft machen, dass er vom syrischen Regime bedroht wird. Das UNHCR will, dass auch Kriegsflüchtlinge generell als Flücht­linge anerkannt werden. Es gibt aber nach wie vor Staaten, die dies ablehnen.

[6] Wir werden später sehen, dass die Zahl der Flüchtlinge die im Land bleiben, aber viel größer ist als die Zahl derer, die über eine Grenze fliehen.

[7] Wir werden später aber sehen, dass die Zahl der „Klimaflücht­linge“ die Zahl der anerkannten Flüchtlinge bereits übersteigt.

[8] Quelle: UNHCR - Flüchtlinge 2016. Davon sind 17,2 Mio. unter UNHCR-Mandat und 5,3 Mio. palästinensische Flücht­linge, die bei der UNRWA registriert sind. Es handelt sich um Flüchtlinge insgesamt und nicht nur um jene, die in diesem Jahr dazugekommen sind. Einen interaktiven Überblick über die Entwicklung der Flüchtlingszahlen seit 1950 bietet die UNHCR: Entwicklung Flüchtlingszahlen

[9] Eigene Übersetzung der internationalen Definition aus 1998. Was ist ein Binnenvertriebener (in Englisch).

[10] Das IDMC ist Teil des Norwegian Refugee Council (NRC) und wurde von der UN-Vollversammlung 1998 mit der heuti­gen Aufgabe betraut. Mehr zum IDMC: IDMC

[11] Die Leitlinien finden Sie hier: Guiding Principles on Internal Displacement

[12] Genau das ist das Problem bei den vielen afrikanischen Flüchtlingen, die versuchen, über das Mittelmeer Europa zu erreichen. „Wegfall der Lebensgrundlagen“ ist natürlich ein dehnbarer Begriff. Hunger, Arbeitslosigkeit und Armut sind kein Wegfall der Lebensgrundlagen – insbesondere dann nicht, wenn sie nicht durch Gewalt oder Katastrophen ausge­löst wurden.

[13] Das IMDC gibt jährlich einen Bericht heraus. Der letzte aus 2017 berichtet über die Situation in 2016. Der Bericht ist sehr lesenswert aber in Englisch. Quelle: Global Report on Internal Displacement 2016 S. 12 und 25

[14] Hier finden Sie mehr über die International Organization for Migration.

[15] Die IOM definiert Migranten als alle Menschen die ihren gewohnten Aufenthaltsort verlassen unabhängig vom Grund. Hier finden Sie Definitionen zum Thema Migration: Key Migra­tion Terms. Daher beinhalten die folgenden Zahlen auch Flüchtlinge und Vertriebene. Da wir die Zahl der Vertriebenen die Ländergrenzen überschreiten nicht kennen – siehe oben – können wir von der Zahl der Migranten auch nicht die Zah­len der beiden anderen Gruppen abziehen.

[16] Die IOM veröffentlicht regelmäßig World Migration Reports. Der letzte verfügbare ist der World Migration Report 2018. Das ist etwas irreführend, weil die Daten darin nur bis 2015 reichen. Der Bericht liefert auf 350 Seiten umfassende Infor­mationen über alle drei Gruppen – Flüchtlinge-Vertriebene-Migranten. Die Daten stammen aus: World Migration Report 2018 S. 13.

[17] Quelle: World Migration Report 2018 S. 15.

[18] Die Daten dieses Teils des Artikels stammen von der UN Population Division. Die UN veröffentlicht regelmäßig Daten über  internationale Migration. Die letzten Daten stammen aus 2017. Zur Tabelle kommen Sie über diese Website der UN:  Migration Welt 2017. Future Aid stellt Ihnen die Tabelle auf der Website für eigene Analysen zur Verfügung.

[19] Für diese Berechnungen haben wir nur Länder herangezo­gen, die mehr als 5 Mio. Einwohner haben. Sonst hätte eine lange Liste kleinster Inselstaaten das Bild vollkommen ver­zerrt.

 

© Peter Jöchle 2018