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Norwegen: Das Vorbild der Elektroauto-Wende 

Mai 2019

Quelle: Jannis Lucas

Im März 2019 erreichte in Norwegen der Anteil der E-Autos an den Neuzulassungen mit 57 Prozent [1] einen neuen Rekord.

 

Norwegen ist damit weltweiter Vorreiter bei Elektroautos. Das Land plant, von 2025 an keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr auf die Straßen zu lassen. Um dieses Ziel umzusetzen, wurden von der Regierung etliche Maßnahmen ergriffen. Zum Beispiel dürfen Elektroautos, sofern zwei weitere Leute im Auto sitzen, Busspuren benutzen - selbst in der Rushhour. Zusätzlich sind Parken und Strom für sie umsonst. Auch finanziell profitieren die E-Auto Fahrer. Sie zahlen keine Mehrwert- und weniger Kfz-Steuer. Durch die großen finanziellen Vorteile kostet ein E-Golf in Norwegen umgerechnet 27.000 Euro, wohingegen der Benzin-Golf 32.000 Euro kostet.

 

Der EV Readiness Index[3] berechnet, wie bereit Länder für die Elektroauto-Wende sind. Neben den staatlichen Anreizen bewertet dieser die Ladestation-Infrastruktur und den Elektrofahrzeug-Markt in den einzelnen Ländern. Norwegen ist dabei führend, die Niederlande sind an zweiter und Schweden an dritter Stelle. Dahinter folgen Österreich, Finnland und Deutschland. Besonders die staatliche Förderung der Elektroautos ist in Deutschland und Österreich bereits gut. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind aber beträchtlich: In Norwegen kommen auf 1.000 Einwohner bereits 9,8 E-Autos, in Österreich nur 0,7 und in Deutschland nur 0,6. Waren bei den Neuzulassungen 2018 in Norwegen bereits 53% E-Autos, so waren dies in Österreich und Deutschland lediglich 2%!

 

Um ein ganzheitliches Bild dieses Fortschrittes in Norwegen zu vermitteln, sollen nun auch ein paar kritische Punkte des E-Auto-Booms beleuchtet werden.

  • Dort stößt nun der Staat an seine finanziellen Grenzen. Bisher wurden mehrere hundert Millionen Euro investiert, sodass nun die Kfz Steuer wieder verlangt wird - erst zur Hälfte, dann vollständig[4].
  • In Oslo gibt es bereits 80.000 E-Autos aber nur 1.300 Ladestationen. Die Gemeinden kommen mit dem Ausbau von Ladestationen kaum nach.
  • Die vielen E-Autos blockieren zunehmend die Busspuren[4].
  • Die Autoindustrie – Norwegen hat keine eigene Produktion – hat den E-Boom verschlafen. In Norwegen wartet man bereits bis zu 2 Jahre auf sein E-Auto[5].

Und eines darf man nicht vergessen: E-Autos sind nur dann umweltfreundlich, wenn auch die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kommt. In Norwegen ist das gesichert, weil 95% des Stroms aus Wasserkraft gewonnen werden aber in Staaten, die noch viel Strom mit Kohle/Öl/Gas produzieren, ist dies anders. Man erkennt daran, wie wichtig die Umstellung auf erneuerbare Energien beim Klimaschutz ist. Elektroautos sind also kein Allheilmittel. Für einen umweltfreundlichen Straßenverkehr braucht es zusätzlich mehr Radfahrer, öffentliche Verkehrsmittel und kürzere Reisestrecken. Da aber zurzeit noch etwa 80% der Wege im Straßenverkehr mit dem Auto zurückgelegt werden, sind E-Autos ein enormer Beitrag zu einem klimafreundlicheren Transport.

 

Was uns daran besonders gefällt:

  • Am Beispiel von Norwegen zeigt sich, dass der Wechsel zu einem umweltschonenderen System möglich ist.
  • Norwegen ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Politik große Veränderungen gegen die Klimakatastrophe bewirken kann. Klare gesetzliche Vorgaben, Anreize durch besondere Rechte (Nutzen der Busspur, gratis Parken, etc.) und besonders die finanzielle Unterstützung des Staates haben Tausende von Menschen in Norwegen zum Wechsel zu den klimafreundlicheren E-Autos bewegt.
  • Es ist dringend notwendig. dass sich weitere Staaten ein Beispiel am Vorgehen Norwegens nehmen.

 

Links zu den Artikeln die wir verwendet haben:

 

[1] ORF: Neuer Rekord bei E-Auto-Zulassungen in Norwegen

[2] Spiegel Online: Elektroautovereinigung rät von Elektroautos ab

[3] LeasePlan: EV Readiness Index 2019

[4] Tagesschau: Vom Erfolg fast überrollt 

[5] Heise: Zwei Jahre aufs Elektroauto warten? Norwegen kritisiert Autoindustrie

 

© Leandra Wagner 2019