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Divestment – Wenn Unternehmen der Kohleindustrie den Geldhahn abdrehen

April 2019

Quelle: Dominik Vanyi

Uniqa drängt Kohle aus ihrem Portfolio!

 

Die österreichische Versicherung Uniqa, setzt ein Zeichen gegen Kohle! Sie entschied sich kürzlich zum Divestment aus der Kohleindustrie. Uniqa geht noch einen Schritt weiter und möchte zusätzlich zukünftig auch keine neuen Kohlekraftwerke und -minen mehr versichern. Greenpeace rief daraufhin öffentlich dazu auf, dass weitere Versicherungsfirmen sich daran ein Beispiel nehmen sollten! Da Uniqa in 14 – hauptsächlich osteuropäischen - Ländern tätig ist, kann das schon Wirkung zeigen.

 

In einfachen Worten bedeutet „Divestment“ zunächst das Gegenteil von Investment (Geld anlegen). Der Begriff bezieht sich aber vor allem auf größere Institutionen, die bewusst nicht mehr in Unternehmen der fossilen (=Kohle, Öl, Gas) Energiegewinnung investieren. Das bedeutet, dass sie sowohl bestehende Investitionen verkaufen als auch neue Investitionen in fossile Energie ausgeschlossen werden. Stattdessen kann dann in ökologisch unbedenkliche Unternehmen investiert werden.

 

Wer kann Divestment betreiben? Am wirkungsvollsten ist es, wenn Institutionen die sehr viel Geld anlegen (Banken, Versicherungen), aus fossilen Investitionen aussteigen. Wenn dies Staaten tun ist dies ebenfalls sehr wirkungsvoll – Norwegen eines der reichsten Länder der Erde betreibt Divestment. Aber jeder von uns der mit Aktien oder Fonds spart, kann einen Beitrag leisten. Es werden ständig mehr Fonds angeboten, die nur in „nachhaltige“ Unternehmen investieren. Fragen Sie das nächste Mal Ihren Bankberater nach „Grünen Investments“.

 

Die Idee dahinter: Wenn die Zerstörung der Erde durch fossile Energien falsch ist, dann ist es auch falsch, von fossiler Energie zu profitieren.

 

Die Wirkungen von Divestment:

  • Den fossilen Energiekonzernen wird Kapital entzogen und sie kommen schwerer an neues Kapital.
  • Die moralische Verpflichtung, dem Klimawandel entgegenzuwirken, wird dadurch ins öffentliche Bewusstsein gerufen.
  • Durch das Bekanntmachen von anerkannten Institutionen, die Divestment betreiben, könnte es so zu einem sozialen Druck und einer damit einhergehenden Kettenreaktion kommen.
  • Divestment zeigt weltweit bereits Wirkung, indem sich immer mehr Institutionen aus fossilen Investitionen zurückziehen.

Die Bewegung begann im Jahre 2010 im Swarthmore College im US-Staat Pennsylvania. Im Jahre 2012 erschien das Thema vermehrt in der Presse. So bekam auch der Milliardär Tom Steyer davon zu hören, betrieb selbst Divestment, investierte in Wahlkampagnen gegen klimaskeptische Republikaner und nahm Einfluss bei der Entscheidung der Stanford University, ebenfalls Divestment zu betreiben.

 

Seitdem haben sich weltweit Unis - und nun auch die ersten Unis in Deutschland - dazu entschieden, auf Investitionen in fossile Energie zu verzichten. In Deutschland haben beispielsweise an der Uni Göttingen Studenten die Universität von Divestment überzeugen können. Das Resultat: 191 Millionen Euro, für Investitionen in Öl, Kohle und Gas wurden verkauft. Die Studenten waren Teil der Fossil Free Bewegung, die weltweit wächst. „Fossil Free“ fordert Institutionen dazu auf, öffentlich und verbindlich Divestment zu betreiben. Auf ihrer Internetseite findet man unter anderem auch eine Liste der Institutionen, die Divestment betreiben.

 

Das Divestment soll sich dabei auf alle Unternehmen beziehen, die mit der Produktion, dem Abbau, der Förderung, der Stromgewinnung aus oder dem Transport von fossilen Energieträgern zu tun haben. Um zu wissen welche das sind, hat „Fossil Free“ zwei Informationsquellen bereitgestellt: Einerseits durch eine Liste der Top 200 Gas-, Öl- und Kohleunternehmen und andererseits durch die „Coal Exit List“. Die „Coal Exit List“ ist eine online Datenplattform, wo Informationen zu den Kohleaktivitäten bestimmter Unternehmen einfach durch einen Suchfilter zu finden sind. Zudem gibt es auf der Seite von „Fossil Free Deutschland“ eine Vorlage um Institutionen aufzufordern, Divestment zu betreiben.

 

Was uns daran besonders gefällt:

  • Während es bereits häufig Demonstrationen gegen den Klimawandel gibt, kam es bisher selten vor, dass große Wirtschaftsunternehmen ein öffentliches Interesse am ökologischen Wandel zeigten.
  • Dabei haben grade diese viel Geld und häufig eine größere gesellschaftliche und politische Reichweite als einzelne Personen. Grade der entstehende politische Druck birgt großes Potenzial für Veränderung.
  • Wenn sich Unternehmen öffentlich zu Divestment bekennen, kann Divestment zukünftig zur Norm werden. Unternehmen, die dies nicht tun, könnten in einem schlechten Licht dastehen und Kunden verlieren.
  • Zusätzlich kann jeder Einzelne sich dafür einsetzen, dass Unternehmen mit Divestment beginnen und dass dadurch der Druck steigt. Dadurch können vergleichsweise schnell große Veränderungen bewirkt werden.

 

Links zum Good News Artikel:

 

Website von Fossil Free Deutschland: Fossil Free

Global Coal Exit List
Zeit Campus: Mit Divestment erreicht man auch die Nicht-Ökos
Standard: Uniqa drängt Kohle aus ihrem Portfolio
Eine Petition für die eigene Uni machen: Fossil Fuel Divestment: Colleges & Universities

 

© Leandra Wagner 2019